Film på tysk

 

Die Stille nach dem Schuss

Stilheden efter skuddene

Die Stille nach dem Schuss
Tyskland, 1999
35 mm, 101 min.
Med danske undertekster
Instruktør: Volker Schlöndorff

Veteranen Volker Schlöndorff har med sin mest kraftfulde og engagerede film i årevis fået sig et mindre comeback. ’Stilheden efter skuddene’ er et stringent, fint skrevet og overordentligt velspillet værk om den politiske terrorisme, der delte Tyskland i 70’erne. Et emne, der siden premieren på sidste års Berlin-festival har fået endnu større aktualitet med sagen om den tyske udenrigsmininster Joschka Fischers eventuelle involvering i nogle af de begivenheder, Schlöndorff tager afsæt i. Filmens omdrejningspunkt er Rita Vogt - råt og overbevisende spillet af Bibiana Beglau - og hendes venner, der alle er medlemmer af den berygtede Rote Armé. Rita lever for at underminere den vesttyske kapitalisme og skyr ingen midler for at nå sit mål. Men da en befrielsesaktion mod en tilbageholdt kammerat slår fejl, er hun nødt til at flygte til DDR, hvor hun tilbydes politisk asyl og falsk identitet. Filmen følger Rita helt op til Murens fald, mens historiens tidevand skyller over hende, og hendes tro på Sagen udfordres og humaniseres. Schlöndorff fanger flot den grumme følelse af 70’ernes Østtyskland, men dette er meget mere end en historie om overflader. Uden at forgøgle lette eller entydige svar har den navnkundige instruktør grebet fat i et centralt kapitel af den nye europæiske historie og skabt en intelligent og vedkommende film, der bæres effektivt frem af energien fra Ritas engagement.

 

Volker Schlöndorff


Vom "absurdesten Politkrimi der deutschen Nachkriegs-Geschichte" war die Rede, als Anfang der neunziger Jahre publik geworden war, dass sich ein Dutzend gesuchter RAF-Terroristen zehn Jahre lang in der DDR versteckt hatte. Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") hat daraus einen Film gemacht. "Die Stille nach dem Schuss" schildert – frei nach den Erinnerungen von Inge Viett – den Weg einer RAF-Aussteigerin, die mit Hilfe der Stasi in der DDR ein neues Leben beginnt und allmählich mit dem spießigen Alltag im Schrebergarten-Sozialismus in Konflikt gerät.

Die RAF ist längst von den Titelseiten verschwunden und im Grunde auch geschichtlich abgehakt. Warum jetzt dieser Film über dieses Thema?

Als ich die Zeitungsnotiz über die in der DDR untergetauchten Terroristen gelesen hatte, habe ich mich als erstes gefragt: Wie sind die RAF-Leute mit dem Leben da zurecht gekommen? Das war für mich eine spannende menschliche Geschichte – ganz egal, ob das Phänomen geschichtlich abgehakt ist oder nicht. Der Film handelt doch eigentlich mehr vom Leben in der DDR als vom Leben in der RAF.

Trotzdem fällt auf, dass Sie in ihrer Karriere immer wieder das Thema Terrorismus gestreift haben: als Regisseur von "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Deutschland im Herbst", als Produzent von "Stammheim" und "Die bleierne Zeit" ...

"Die Stille nach dem Schuss" ist schon auch eine Art Rückblick: Was aus den Utopien geworden ist und wie das alles zu Ende gegangen ist. Aber nochmals einen Film über die RAF zu machen – das hätte mich nicht gereizt. Wichtiger waren die Erfahrungen, die ich in den letzten acht Jahren als Direktor der Babelsberg-Studios mit 700 Mitarbeitern, die meisten davon aus der ehemaligen DDR, gesammelt habe. Das hat meinen Blick und meine Neugier beeinflusst: Wie war denn das Leben bei euch vorher? Und warum gibt es so viele, die dem nachtrauern?

Mit einer solchen Neugier stehen Sie als westdeutscher Regisseur aber ziemlich allein da. Fast alle Filme über die ehemalige DDR wurden von Ostdeutschen – wie Andreas Kleinert oder Leander Haußmann – gedreht.

Mich verwundert das nicht. Es war schließlich deren Leben, das auf den Kopf gestellt worden ist. Alles, was sie vom Kindergarten über die Schule bis zum Beruf gelernt hatten, galt plötzlich nicht mehr. Und dass sie dann reflektieren und vergleichen – wie war mein Leben früher, wie ist mein Leben jetzt? – ist doch verständlich.

Was war für sie das Faszinierende am DDR-Alltag, den Sie ja sehr liebevoll gezeichnet haben?

Wenn man die DDR einfach nur als Unrechtsstaat denunziert hätte, wäre das witzlos gewesen. Die interessantere Frage ist doch, warum sich jemand aus der linken Szene und von anarchistischer Charakternatur dort so wohl gefühlt hat. Die Hauptfigur findet erst mal ihre Ideale – Konsumverzicht, Solidarität mit der dritten Welt – verwirklicht. Erst allmählich merkt sie, dass die Slogans bloß Lippenbekenntnisse sind und die Leute in 40 Jahren ganz andere Erfahrungen gemacht haben.

Es gab bisher sehr wenige deutsche Filme, die Terroristen nicht als Karikaturen zeichnen, sondern als ganz normale Menschen. War der politische Druck zu groß?

Es gab den Fernsehfilm "Todesspiel" ...

Das meine ich mit Karikaturen-Filmen, übrigens auch "Stammheim" ...

Der Reinhard Hauff wollte weiß Gott keine Karikaturen machen. Aber weil diese Leute diese unsäglichen Parolen dauernd im Munde führen, wirken sie zum Schluss in der Tat nicht mehr wie richtige Menschen. Diese Gefahr hatten wir bei unserem neuen Film auch – im ersten Teil, wenn die RAF-Leute ihre Diskussionen führen. Andererseits haben sich die Terroristen haben sich selbst zu Karikaturen gemacht, weil sie keine menschliche Dimension mehr hatten. Sie befanden sich in einer solchen Sackgasse, dass man nur zu gut verstehen kann, dass die Hauptfigur aussteigt.

Man hört, das sie das Drehbuch ihres Films entschärfen mussten.

Das ist absoluter Unsinn. Als wir vor acht Jahren das Projekt vorschlugen, haben wir einfach kein Geld dafür gefunden. Aber als ich letztes Jahr einen neuen Anlauf unternahm, haben der MDR und die mitteldeutsche Filmförderung sofort mitgemacht. Es gab von keiner Seite irgendeinen Einfluss, weder auf das Drehbuch, noch auf die Schnittfassung.

Inge Viett hat sich von dem Film distanziert und ihnen "Plünderung ihres Lebens" vorgeworfen.

Das hat mich nicht überrascht. Inge Viett hat auch heute noch eine sehr klare politische Einstellung, die nicht meine ist. Ich konnte ihr Selbstbild nicht übernehmen, und deshalb ist klar, dass sie mit vielen Sachen in diesem Film nichts anfangen kann. Die Frau im Film soll ja auch gar nicht sie sein. Es ist eine ausgedachte Figur, die viele Episoden aus Inge Vietts Leben, aber auch dem Leben anderer Terroristen, die in der DDR waren, übernimmt. Wir haben uns inzwischen außergerichtlich geeinigt, weil ich ihr nicht ein Stück von ihrem Leben klauen wollte, ohne sie dafür zu bezahlen.

In der deutschen Presse hagelte es nach der Premiere bei der Berlinale die für einen Schlöndorff-Film fast schon üblichen verrisse. Schmerzt Sie das noch?

Ich hätte in der Tat Zeit gehabt, mir ein dickes Fell zuzulegen. Aber es hat mich trotzdem sehr überrascht und auch verletzt, denn wir wollten eigentlich nichts anderes, als einen anständigen, unaufdringlichen Film über deutsche Menschen zu machen. Dass einem das um die Ohren gehauen wird, hat mich völlig verblüfft. Damit hat keiner gerechnet, dass ausgerechnet diese stille Geschichte eine so aggressive Kritik bekommen würde. Es gibt doch so wenig Ansätze, deutsche Geschichten, die nur bei uns passieren können, zu erzählen, dass man ein bisschen gelassener darauf reagieren könnte.

War es eine Genugtuung, dass die beiden Hauptdarstellerinnen einen silbernen Bären bekamen?

Die Ausländer sehen den Film ganz anders als wir. In "Le Monde" und der "Republicca" hat er hervorragende Kritiken bekommen. Auch in Amerika ist er sehr postitiv aufgenommen worden. Diese Haltung hat sich auch in der Berlinale-Jury, die ja international ist, durchgesetzt. Zum Glück, denn für einen Regisseur gibt es nicht Schöneres, als wenn seine Schauspieler Preise bekommen. Das sind ja alles ganz unbekannte Leute, die noch nie Kinofilme gemacht haben.

Interview: Klaus-Peter Eichele


Die Fragestellung ist verführerisch: Was hat eigentlich ein Dutzend antiautoritär und popkulturell geschulter Aktivisten der Rote Armee Fraktion bewogen, ausgerechnet in der schrebergarten-spießigen DDR Unterschlupf zu suchen? Und umgekehrt: Wie kam die DDR dazu, ihre internationale Reputation aufs Spiel zu setzen, indem sie offiziell auch vom Osten geächtete Terroristen versteckte?

Es geht um Rita Vogt (Bibiana Beglau): Die junge Frau rutscht an fangs "aus Liebe zum Andi" in die RAF, überfällt fröhlich Banken, erschießt aus Dummheit einen Polizisten und hat Anfang der achtziger Jahre die Schnauze voll vom bleiernen Untergrund.

Mehr aus Mitleid denn aus Kalkül verhilft ihr die Stasi ("Wir sind doch auch Romantiker") zu einer neuen, bürgerlichen Existenz im Osten.

Bis hierhin ist "Die Stille nach dem Schluss" eine herbe Enttäuschung. Volker Schlöndorff, der sich einst mit Filmen wie "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Deutschland im Herbst" der Rübe-ab-Hysterie widersetzte, handelt die RAF-Geschichte im Schnellwaschgang mit rauchenden Colts und hohlem Revolutions-Geschwätz ab.

Solche Bilder von depperten Politschurken wurden schon in Filmen wie "Stammheim" oder "Todesspiel" bis zum Brechreiz gepflegt. Doch analog zu seiner Hauptfigur rafft sich auch der Film nach einer halben Stunde zu einem neuen Anfang auf.

Es mag an der Mischung zwischen Neugier eines West-Regisseurs und der Abgeklärtheit eines alten Ossi-Hasen (Drehbuchautor Wolf gang Kohlhaase) liegen, dass "Die Stille nach dem Schuss" nun zu großer Form aufläuft. Beider Blick auf den DDR-Alltag ist ehrlich, präzise und zugleich voller Gespür für die grotesken Auswüchse.

Statt Solidarität der Werktätigen erlebt Rita Missgunst und Denunziantentum am Arbeitsplatz, statt sozialistischer Aufbruchstimmung Kleinbürgermief der trostlosesten Sorte.

Und doch begegnet sie auch jener Nestwärme, mit der schon Leander Haußmann in "Sonnenallee" die westliche Unrechtsstaat-Keule pariert hat. Selbst die Stasi wird nicht einfach abdenunziert, sondern erscheint als Haufen idealistischer Wirrköpfe.

Politisch wertvoll ist "Die Stille nach dem Schuss" aber vor allem deswegen, weil er sich nicht dem verzerrten Phantom-Bild vom eiskalten Terroristen beugt, sondern den Menschen hinter der Fahndungs-Fratze zeigt.

Da darf es dann auch ruhig mal ein bisschen gefühlig zugehen. Die Zärtlichkeit, mit der sich Schlöndorff auf die Beziehung zwischen seiner Ex-Terroristin und einer alkoholkranken Fabrikarbeiterin (Nadja Uhl) stürzt, gehört jedenfalls zum Besten, was das deutsche Kino in den letzten Jahren an Liebesgeschichte zu bieten hatte.
che


 

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Dieser Artikel erscheint voraussichtlich am 5. Juni 2001. Sie können ihn jetzt bestellen und wir verschicken ihn, sobald er verfügbar ist.

 


FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Darsteller: Bibiana Beglau Nadja Uhl
Regie: Volker Schlöndorff

 

Infos zu diesem Titel
• Fernsehnorm: PAL
• Sprache: Deutsch
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 98 Minuten
• Video Erscheinungstermin: 5. Juni 2001
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